Gentoo Linux auf dem MacBook Pro 6,2

Bei der Installation von Gentoo Linux auf meinem MacBook Pro 6,2 bin ich über viele Fallstricke und Dinge gestolpert, die neu für mich waren. Dieser Artikel soll eine Sammlung von Tipps sein, die hoffentlich dem einen oder anderen, der sich für die Installation von Gentoo Linux auf einem MacBook Pro 6,2 interessiert, Zeit spart.

Partitionierung
Die Festplatte des MacBook Pro kommt mit einer GPT Partitions-Tabelle daher. Bei der Auswahl eines Partitionierungstools ist daher darauf zu achten, dass es GPT unterstützt. Das ist nicht selbstverständlich – das alte fdisk z.B. kommt nur mit dem MBR zurecht.
Sofern Mac OS X noch installiert ist, bietet es sich an, es zu starten und das Festplatten-Dienstprogramm zu verwenden. Damit kann man schnell und ohne Anstrengungen auch vom HFS+ Live Resizing profitieren und die Mac OS X Partition verkleinern. Alternativ kann man z.B. GNU Parted benutzen.
Wer mag, kann dabei auch gleich die “Recovery” Partition löschen, die Mac OS X bei seiner Installation angelegt hat.
Komplett sollte man Mac OS X nicht entfernen – es ist die einzige Möglichkeit, an EFI Updates zu kommen.

EFI oder BIOS?
Apple Rechner mit Intel-CPU gehörten zu den ersten EFI-basierten Computern für den Massenmarkt. Selbstverständlich nutzen sie auch heute weiterhin EFI als Firmware. Ebenfalls besitzen Intel Macs einen BIOS-Layer, der etwa bei der Benutzung von Boot Camp (seit Mac OS X 10.5 vorinstalliert) benutzt wird.
Vor der Installation muss man sich also entscheiden, ob man den direkten Weg (EFI) oder den Umweg (BIOS) bevorzugt. Für mich war diese Wahl einfach: ich verzichte gerne auf eine zusätzliche Softwareschicht, die abgesehen davon, dass sie z.B. einen Wechsel zwischen Intel und Nvidia Grafik unmöglich macht, vielleicht sogar Fehler enthält.
Auf der anderen Seite gilt es zu bedenken, dass Apple weder EFI 1.1 noch UEFI 2.0 verwendet, sondern Elemente beider Standards miteinander vermischt. In Kombination mit der Tatsache, dass die EFI-Unterstützung in Linux noch recht jung ist, bedeutet dies, dass man teilweise nicht darum herum kommt, Software einzusetzen, die noch entwickelt wird.

Installation
Gentoo lässt sich nicht nur über die Gentoo Installations CD, sondern aus so ziemlich jedem anderen Linuxsystem heraus installieren. Eigentlich hat man also die freie Wahl. Eigentlich. Denn es ist natürlich toll, wenn das Installationsmedium z.B. den Bootloader beinhaltet, den man installieren möchte. Noch toller ist es, wenn das Installationsmedium einen Kernel mit EFI Unterstützung mitbringt und man dadurch den Bootloader registrieren kann.
Ursprünglich hatte ich vor, ausschließlich Grub2 als Bootloader zu verwenden. Tatsächlich habe ich leider keine Linux CD gefunden, die ohne Probleme (z.B. Freeze oder falsches Ansteuern der Grafikkarte) im EFI Modus bootete. Wer aber auf Bootmanager wie Refind bzw. Refit verzichten möchte, sollte es vielleicht trotzdem mit Archboot probieren. Dessen Kernel beinhaltet das efivars Modul, das erforderlich ist, um Grub2 bekannt zu machen.
Die Übliche Installation erfolgt nach dem Gentoo Handbuch.

Linux Kernel Konfiguration
Da meine Zeit zum Zeitpunkt der Installation knapp bemessen war, habe ich versucht, diesen Punkt vorerst zu meiden und mir durch genkernel ein Image des Kernels in Version 3.3.8 erzeugen lassen. Leider konnte ich dieses Image nicht booten. Die manuelle Konfiguration des Linux Kernels ist daher unvermeidbar gewesen. Du, lieber Leser, hast jedoch Glück und kannst dir diesen Schritt sparen und stattdessen meine .config Datei herunter laden. Zu dem Zeitpunkt, zu dem ich diesen Artikel schreibe, verwende ich sie erfolgreich mit Kernel 3.5.1.
Die Verwendung von Kernel 3.6.1-RC1 kann ich übrigens nicht empfehlen: NetworkManager funktioniert damit nicht (general protection fault).

WLAN
Ich ging ursprünglich davon aus, den verbauten Broadcom Corporation BCM43224 mit dem B43 Treiber benutzen zu können. Allerdings wurde damit nie ein Device erzeugt. Abhilfe brachte die Installation des properitären Broadcom Treibers. Er kann einfach via emerge broadcom-sta installiert werden.

Temperatur
Schon nach wenigen Minuten fällt einem auf, dass das MBP viel zu heiß wird. Die Lüfter drehen einfach zu langsam. Dieses Problem lässt sich durch die Installation von macfanctld lösen. Nach dem Download von macfanctld kann man es wie gewohnt via make kompilieren. Möchte man die Konfigurationsdatei macfanctl.conf etwa in /usr/local/etc/ statt in /etc/ hinterlegen, kann man den Pfad zu ihr vor dem Kompilieren in der Datei macfanctld.c ändern. Das erzeugte Binary ist wohl am besten in /usr/local/bin/ aufgehoben. Für die Option fan_min in der Konfigurationsdatei kann ich einen Wert von 3000 empfehlen.

X.Org mit Multi-touch Support
xf86-input-mtrack ist ein Treiber für Multitouch Trackpads, der an Stelle von Synaptics verwendet werden kann. Ich finde das Ding ganz nett. Allerdings ist es in der Standardkonfiguration viel zu sensibel. Zum Glück finden sich auf derxf86-input-mtrack Projektseite Beschreibungen zu den Optionen, die man verändern kann, bis sich das Trackpad wie gewünscht verhält.

Tastatur entapfeln
Zwei Dinge stören ganz besonders an dem Keyboard:

a) möchte man eine F-Taste verwenden, muss man gleichzeitig die FN-Taste betätigen
b) Alt- und Meta-Taste (cmd-Taste) sind vertauscht

Zum Glück kann man auch hier Abhilfe schaffen:
Punkt a) lässt sich ohne das Zutun weiterer Software lösen. Für die Lösung von Punkt b) ist jedoch erst ein mal die Installation von Keyfuzz, einer Software, die das Ummappen von Tasten erlaubt, nötig.

Nun kann die Datei /etc/local.d/fix-apple-keyboard.start mit folgendem Inhalt angelegt werden:

Sie muss im Anschluss mit chmod +x /etc/local.d/fix-apple-keyboard.start ausführbar gemacht werden und wird von da an bei jedem Bootvorgang ausgeführt.

Die Mappingdatei für Keyfuzz (in diesem Fall /usr/local/etc/keyfuzz/apple.keyfuzz) bekommt folgenden Inhalt:

make.conf
Vielleicht kann sie ja jemand zur Orientierung gebrauchen…

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